Soziale Dienstleistungen im Bundesland Salzburg
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Wohnungslosenarbeit oder: Fördern durch Fordern

Gedanken zur sozialarbeiterischen Praxis im Stationäres Übergangswohnen

von Franziska Schneeberger

Die Problemlagen wohnungsloser Menschen sind meist sehr komplex. Dieser Komplexität wird ein einfaches Denken in Schwarz-Weiss-, Gut-Schlecht-, Macht-Ohnmacht-Kategorien nicht gerecht.


Wie alle zwischenmenschlichen Beziehungen folgt auch das Beratungs- und Betreuungsverhältnis zwischen Hilfesuchenden und HelferInnen keiner  einfachen Dynamik zwischen Hilfe Gebendem und Hilfe Annehmenden. 


Doch zumindest am Beginn eines Betreuungsverhältnisses scheinen die Rollen von HelferIn und Hilfesuchendem noch klar: Jemand sucht eine soziale Einrichtung auf, weil er alleine nicht mehr weiterkommt oder in seinem Leben in einer Sackgasse gelandet ist. Doch dieses anfänglich umfassende Problembewusstsein währt oft nur kurz. Meistens verliert sich diese Einsicht rasch wieder, sobald jemand sein dringliches Bedürfnis nach einem Dach überm Kopf befriedigt hat. Mit den eigenen Anteilen, die zur Wohnungslosigkeit beigetragen haben, setzen sich die Betroffenen nur ungern auseinander. Sehr schnell weicht dann die schonungslose Ursachenerforschung vorurteils- und sündenbocksbehafteten Erklärungsansätzen: Demnach seien die Anderen schuld, vielleicht die Expartnerin, der Arbeitgeber, Vermieter, die Institutionen und Gesetze. Man fühlt sich – undifferenziert - als Opfer der Umstände, der Zeit, der Politik, der Familie, usw.  Damit ist die Erwartungshaltung verknüpft, dass es diese Anderen auch wieder für einen richten sollen.


Vor kurzem habe ich gelesen: Einen intelligenten Menschen erkenne man daran, dass er bei einem Problem die Fehlersuche bei sich beginne. Damit soll nicht einer Art christlicher Urschuld das Wort geredet werden oder einem gestörten Selbstwertgefühl – was es ja auch gibt – sondern der Einsicht, dass ich nur dann ein Problem lösen kann, wenn ich mir meines eigenen Anteils daran bewusst werde. Erst dann begreife ich mich als schöpferisch aktiven Menschen, der selbst etwas bewirken kann, wenn ich die Folgen meines Tuns als zumindest teilweise von mir selber beeinflusst wahrnehme. 


Gerade bei Menschen, die in ihrem Leben wiederholt gescheitert sind, scheint mir diese Einsichtsfähigkeit in das eigene Zutun als die wichtige Voraussetzung für jegliche positive Verhaltens- bzw. Lebensänderung zu sein. Denn von selber verschwinden meist destruktive Verhaltens- und  Denkweisen nicht. Und auch die Sehnsucht, von außen oder von einem überirdischen Wesen erlöst zu werden, funktioniert so nur im Märchen und dort auch nur, wenn der Held selber einen entsprechend langen und schmerzhaften Lern- und Entwicklungsweg durchschritten hat. Doch genau diesem schmerzhaften Weg, dieser Arbeit an sich selbst, suchen Menschen auszuweichen, solange es nur irgend geht. Um den Preis, dass es dann zu spät sein kann.

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